Wann wird Ungleichheit zu Gewalt? Die Autorin Daniela Dröscher und der Philosoph Christian Neuhäuser betrachten soziale Ungleichheit aus unterschiedlichen Perspektiven. Im Gespräch mit Julika Griem diskutieren sie unter anderem darüber, welche Rolle Erfahrungen von Abwertung und Kontrollverlust für den politischen „Rechtsruck“ spielen. Die Veranstaltung spannt einen Bogen von der philosophischen Betrachtung von Ungleichheit über ihre individuelle und künstlerische Verarbeitung zu ihren politischen Folgen.
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Was bedeutet soziale Ungleichheit für unser tägliches Leben – für unseren Körper, unser Selbstbild und unsere Beziehungen? Wann wird Ungleichheit zu Gewalt? Die Autorin Daniela Dröscher und der Philosoph Christian Neuhäuser nähern sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Daniela Dröscher erzählt in ihren Texten eindrücklich von Klassenerfahrungen, Scham und familiären Dynamiken, Neuhäuser betrachtet Ungleichheit als moralisches Problem und als Verletzung der Würde des Menschen. Im Gespräch verbinden sich persönliche Erfahrung mit philosophischer Reflexion zu einem vielschichtigen Blick auf eine der drängenden Herausforderungen unserer Zeit. Es geht um Herkunft und „Aufstieg“, um Sichtbarkeit und Ausgrenzung und auch um die Frage, wer gehört und ernst genommen wird. Wessen Erfahrungen gelten als glaubwürdig?
Literarische Formen wie die Autosoziobiografie eröffnen einen besonderen Zugang: Sie machen Erfahrungen sichtbar, die im öffentlichen Diskurs oft übersehen oder entwertet werden. Können solche Erzählweisen dazu beitragen, „epistemische Ungerechtigkeit“ zu korrigieren, wie es die Philosophin Miranda Fricker beschreibt – also die systematische Abwertung bestimmter Perspektiven und Stimmen? Was geschieht, wenn solche Erfahrungen dauerhaft nicht anerkannt werden? Oder wenn Teile der Öffentlichkeit den Eindruck gewinnen, politisch aktive Minderheiten würden privilegiert? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Zunahme von Ungleichheit, inszenierten Konflikten zwischen konkurrierenden Erfahrungen von Marginalisierung und dem Aufstieg rechter Parteien?
Im Gespräch mit Julika Griem diskutieren Daniela Dröscher und Christian Neuhäuser, welche Rolle Erfahrungen von Abwertung und Kontrollverlust für den gegenwärtigen politischen „Rechtsruck“ spielen und inwieweit ehemalige „Arbeiterregionen“ davon besonders betroffen sind. Die Veranstaltung spannt damit einen Bogen von der philosophischen Betrachtung von Ungleichheit über ihre individuelle und künstlerische Verarbeitung zu ihren politischen Folgen.
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© UDE / A. Wälischmiller
Prof. Florian Fastenrath
Junior Professor | Research Group 'Political Economy of Inequality'
Phone: +49 201 183 65 62
Florian Fastenrath is Junior Professor of Comparative Political Economy, with a research focus on inequality. His work sits at the crossroads of public policy analysis, comparative and international political economy, and political sociology. He is particularly interested in how socio-economic and political inequalities intersect, especially in the context of political representation.
His research explores both sides of the representation process: how citizens form policy priorities and preferences, and how political elites perceive and respond to public demands through policymaking. He is committed to methodological innovation, blending qualitative approaches such as elite interviews, focus groups, and deliberative polling to better understand public opinion and political responsiveness.
His broader research interests include the politics of inequality and redistribution, public finance, and financialisation. His work has been published in journals such as Comparative Political Studies, Journal of European Public Policy, and Review of International Political Economy.
Before taking on his current role, Florian Fastenrath held postdoctoral positions at the universities of Bonn (2023–25) and Duisburg-Essen (2020–23), and research positions at the University of Cologne, where he completed his PhD in 2019. He also served as Substitute Professor for Policy Analysis and Political Economy at RPTU Kaiserslautern-Landau (2024–25).
Philippa Everz
Doctoral Researcher | Research Group 'Political Economy of Inequality'
E-mail: philippa.everz@college-uaruhr.de
Philippa Everz has been a member of the research group ‘Political Economy of Inequality’ since October 2025. In her research, she explores the role of social class and class consciousness in perceptions of inequality and in support for redistribution. She holds a Bachelor's degree in Philosophy & Economics from the University of Bayreuth and a Master's degree in Socio-Economics from the University of Duisburg-Essen. During her Master's studies, she spent a semester abroad at the Department of Economics at The New School for Social Research in New York (USA).